Vor einigen Wochen beschrieb Max Fritz auf der achtenminute sehr sympathisch und eingängig seine Erfahrung, erstmals Chefjuror eines Turniers gewesen zu sein (Artikel hier). Diese Aufgabe verglich er hierbei treffenderweise mit der Last, die der arme Atlas auf seinen Schultern trägt: das Gewicht der ganzen Welt. Vor einer ähnlich großen und verantwortungsvollen Aufgabe wähnten wir uns, als wir vom 22.-24.03.2013 die erste ZEIT DEBATTE in Marburg und Hessen insgesamt ausrichteten. Hätte man mich vor zwei Jahren gefragt, wie viel Arbeit es machen würde, ein solches Debattierturnier zu organisieren, hätte ich wohl müde lächelnd geantwortet, dass es allzu schwer doch nicht sein könne, dafür zu sorgen, dass ein paar Menschen miteinander reden können. Tatsächlich flossen in dieses Projekt nun 9 Monate intensiver Arbeit und noch immer gibt es auch im Nachhinein vieles zu tun.
Als Ausrichter einer ZEIT DEBATTE ist es unsere Pflicht, unterschiedlichen Interessen nachzukommen und zu versuchen, diese bestmöglich in Einklang zu bringen. Einerseits müssen wir den Anforderungen des VDCH als unserem Dachverband mit dessen Sponsoren gerecht werden. Andererseits haben wir auch unseren lokalen Sponsoren gegenüber die Pflicht, diese angemessen zu (re)präsentieren. Den Zuschauern der Finalveranstaltung muss ebenfalls ein reibungsloser Ablauf, eine gute Debatte sowie eine ansprechende Moderation geboten werden. Und vor allem möchten natürlich die TeilnehmerInnen der ZEIT DEBATTE ein großartiges Turnier erleben und das Gefühl haben, dass all ihre Wünsche umgehend erfüllt werden – was angesichts der in den letzten Jahren stetig gestiegenen Ansprüche an ZEIT DEBATTEN gar nicht so einfach sein sollte.
Um dafür zu sorgen, dass all diese Ansprüche bestmöglich erfüllt werden, fingen wir bereits 9 Monate vor der ZEIT DEBATTE mit den grundlegenden Planungen an, denn – wie mein Großvater zu sagen pflegte – “Der kluge Mann baut vor”. Zunächst wurde der grobe Rahmen abgesteckt: Chefjuroren wurden gesucht (und in hervorragender Qualität gefunden), Räume gebucht, die Jugendherberge reserviert, Ehrengäste eingeladen und mit der Alten Aula ein phantastischer Finalort gefunden. Neben der bis zum Schluss andauernden Akquise von Sponsoren, der Suche nach geeigneten Party- und Verpflegungsmöglichkeiten und der Anmeldekoordination ging es kurz vor dem Turnier dann ans Eingemachte: Die Presse wurde ins Boot geholt, Helferpläne erstellt, Einkäufe geplant, Zuschauerwerbung organisiert, Broschüren erstellt, und, und, und.
Irgendwann stellten wir uns die Frage: Selbst wenn bezüglich des Ablaufs alles perfekt läuft (was nie der Fall sein kann), was macht unsere ZEIT DEBATTE unvergleichlich und einzigartig angesichts der unzähligen ZEIT DEBATTEN, die von anderen, sehr viel erfahreneren Clubs schon seit über zehn Jahren ausgerichtet werden? So entschieden wir, unserer noch jungen Vereinsgeschichte treu zu bleiben und die TeilnehmerInnen mit einem Märchenwettbewerb zu beglücken, der die Pausen zwischen den Runden sehr kurzweilig werden lassen sollte. Letztlich sollte dieser Märchenwettbewerb u.a. ein Grund dafür sein, dass viele Teilnehmer nach dem Turnier sagten, die erste Marburger ZEIT DEBATTE in sehr guter Erinnerung zu behalten.
Freitag, 22.03.2013, 14 Uhr: Die Anspannung ist groß, die ersten TeilnehmerInnen werden in Kürze erwartet. Und doch überwiegt die Vorfreude auf das kommende Wochenende. Und dann: Der Startschuss fällt! Die TeilnehmerInnen kommen, essen zu Abend und nach gemeinsamem Transfer startet die erste Vorrunde sowie die erste Runde der “Marburger Märchenfestspiele”, wie der Wettbewerb neben dem eigentlichen Wettbewerb in diesen Tagen oft bezeichnet wird. Beim Bier im Qoudlibet lautet das Résumé: Eigentlich lief doch alles ganz gut an diesem ersten Tag der ZEIT DEBATTE.
Im Zeichen des Freitagabends steht dann nachfolgend auch der gesamte Samstag: Es werden munter Märchen erraten und Debatten geführt. Dank der engagierten HelferInnen verläuft der Samstag sehr entspannt und problemlos. Als Hauptorganisator falle ich nach der Nachtwache in der Jugendherberge zufrieden und doch gedankenvoll angesichts des kommenden Tages ins Bett.
Sonntag, 24.03.2013, 08:05 Uhr: Der Schließdienst, der die Alte Uni für uns öffnen würde, sollte schon vor 20 Minuten da gewesen sein und wir bibbern vor verschlossenen Türen in der Kälte. Gerade noch rechtzeitig erscheint der Herr und in Windeseile werden die Halbfinalräume hergerichtet. Während die Halbfinals laufen, sind alle Helfer emsig dabei, die Alte Aula für das große Finale vorzubereiten. Dann: ein wenig Entspannung. Die Aula ist vorbereitet, die TeilnehmerInnen machen eine Stadtführung und stärken sich anschließend zum Mittag.
14 Uhr: Das Finale beginnt. Erwartungsvoll und vorfreudig betrete ich die Bühne, begrüße die Zuschauer und Ehrengäste und habe das Glück, mit der gefühlt weltbesten Debattier-Moderatorin gemeinsam durch das Finale führen zu dürfen. Die Debatte läuft gut, der liebevoll hergerichtete Sektempfang lädt ein zum angeregten Plaudern und schließlich werden die Sieger der ZEIT DEBATTE verkündet. Gerührt von den Dankesworten der verdienten Gewinner aus Berlin und den applaudierenden Zuschauern, verabschieden wir die TeilnehmerInnen und Gäste und lassen den Abend in Marburgs coolster Kneipe gemeinsam mit wundervollen Mainzer und Tübinger Gästen ausklingen.
Dann endlich fällt die Anspannung von mir ab. Nach zahlreichen freudigen und lobenden Worten der Gäste und TeilnehmerInnen stelle ich glücklich fest: Wir haben Atlas Last tragen können und der Debattierwelt ein ordentliches Turnier geboten. Reich an Erfahrungen hoffen wir, genau wie Atlas und Max Fritz irgendwann zu einem verlässlichen Gebirge zu werden. Da man es nicht oft genug betonen kann, möchte ich mich nun noch einmal bei allen HelferInnen für ihr Engagement und ihre Unterstützung bedanken – ihr wart großartig und habt mir viel von Atlas Last abgenommen. Herzlichen Dank!






