Der Höhepunkt der Debattiersaison: Die Meisterschaft in Wien

Vom 6.-10. Juni fand in Wien mit der Meisterschaft im deutschsprachigen Debattieren (MDD) in Wien die Debattiersaison ihren Höhepunkt: 68 Teams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kämpften bei diesem Turnier, das erstmals außerhalb Deutschlands ausgetragen wurde, um die begehrte Siegertrophäe.

In einem sehr starken Teilnehmerfeld waren wir mit dem Team Marburg Rotkäppchen (Dominik Vietz, Tobias Kube) vertreten, während Sven de Causemaecker als Juror mit von der Partie war. Die 1. Vorrunde am Donnerstagabend hätte für unser Rednerteam dabei kaum besser laufen können: Zum Thema “Dieses Haus verpflichtet Pharmakonzerne, die Hälfte ihres Forschungsetats auf Krankheiten zu verwenden, die primär in Entwicklungsländern auftreten.” saßen wir in der Schließenden Opposition und konnten die Debatte klar für uns entscheiden, sodass wir sehr zufrieden und vorfreudig in den nächsten Tag starten konnten.

Am Freitag vertraten wir in der 2. Vorrunde zum Thema “Dieses Haus verbietet Inlandsgeheimdiensten, Parlamentsabgeordnete zu überwachen.” in einem starken Raum die Eröffnende Regierung und konnten als 3. immerhin noch einen Punkt sammeln. Die 3. Runde war dann wieder ausgesprochen erfolgreich für uns: Als Schließende Regierung konnten wir die Debatte zum Thema “Dieses Haus trägt die Fußballeuropameisterschaft weiterhin mit 16 Teams aus.” gewinnen und traten dann anschließend mit 7 von 9 möglichen Punkten nach drei Runden in einem super Raum mit Berlin, Mainz und München an. Hierbei saßen wir erneut in der Schließenden Opposition und argumentierten beim Thema “Dieses Haus, das technisch dazu in der Lage ist, klont den Neandertaler” für die Evolution, womit wir als 3. einen Zähler sammeln konnten. In der letzten der vier Vorrunden am Samstag vertraten wir dann die Eröffnende Opposition und hatten nach einem anstrengenden Tag und einem anspruchsvollen Thema (“Dieses Haus führt Eurobonds ein.”) Schwierigkeiten, unsere Gedanken zu sammeln, gingen als 3. aber immerhin erneut nicht leer aus.

Am Samstagvormittag vertraten wir in der 6. Vorrunde abermals die Schließende Opposition und konnten hierbei zum Thema “Dieses Haus führt keine Stücke von Thomas Bernhard in Österreich auf.” mit viel Wissen zu diesem Autor auftrumpfen, sodass wir uns als sichere Sieger dieser Debatte fühlten. Da die 6. – genau wie die anschließende 7. Vorrunde jedoch geschlossen war – mussten wir auf das Ergebnis noch ein wenig warten. In der 7. und letzten Vorrunde vertraten wir zum Thema “Dieses Haus unterstützt die Gründung eines unabhängigen kurdischen Staates.” zum zweiten mal die Eröffnende Regierung und kämpften nun mit Mainz Anton (Daniil und Andrea), Berlin Stadt im Norden (Annette und Julian) sowie einem Team aus St. Gallen um den Einzug ins Viertelfinale.

Bei der anschließenden Breakverkündung erfuhren wir, dass wir in der Debatte um Thomas Bernhard doch nur den 2. Platz gemacht haben und in der letzten Vorrunde nicht über einen 3. Platz hinaus kamen, sodass uns genau 1 Punkt zum Weiterkommen fehlte. Obwohl es natürlich sehr ärgerlich und schade war, so denkbar knapp auszuscheiden, sind wir mit dem Turnierverlauf dennoch mehr als zufrieden, da wir eigentlich nicht damit gerechnet haben, ernsthafte Chancen auf den Break zu haben. Leider hat auch Sven als Juror den Einzug ins Viertelfinale verpasst, nachdem er nie das Glück hatte in einer der Vorrunden zusammen mit einem Chefjuror zusammen zu jurieren. Die sehr positiven Rückmeldungen der anderen Juroren bestätigen uns aber weiterhin darin, mit unserer Jurierphilosophie Debatten gut lesen und bewerten zu können.

    Strahlende Sieger: Valerio Morelli und Marco Witzmann aus München (c) Foto: Debattierclub AFA Wien

Quelle: www.achteminute.de

In den anschließenden K.O.-Runden waren wir also als Zuschauer von der Partie und konnten viele weitere spannende Debatte sehen, in denen viele vermeintliche Favoriten nach und nach den Kürzeren zogen, sodass im Finale neben Georg Sommerfeld und Johannes Häger aus Berlin drei Teams im Finale standen, die so wohl niemand vorher auf der Rechnung hatte: Hamburg (Barbara Schunicht und Kira Lancker) als Eröffnende Regierung, Berlin Stadt im Norden (unsere Gegner der letzten Vorrunde) als Eröffnende Opposition, München Alpha (Valerio Morelli und Marco Witzmann) als Schließende Regierung sowie Georg und Johannes als Schließende Opposition debattierten zum Finalthema “Dieses Haus unterstützt große Migrationsbewegungen von armen in reiche Länder innerhalb der EU”. Letztlich überzeugten Valerio und Marco aus München und sind neue Deutsche Meister, während Georg von der Ehrenjury den Preis als bester Redner des Finals erhielt. Herzlichen Glückwunsch!

Insgesamt kann man den Wienern nicht hoch genug anrechnen, wie viel Mühe sie sich damit gemacht haben, ein außergewöhnliches Turnier mit tollem Social zu organisieren. So suchten wir am Donnerstagabend ein urwienerisches Lokal auf, verbrachten den Samstagabend in einem abgefahrenen Club und letztlich erreichte das Turnier mit einem fulminantem Galaabend der Deutschen Debattiergesellschaft (DDG) und anschließendem Clubbing im Palais am Auersperg seinen Höhepunkt. Und für uns Marburger gab es hier zum Abschluss noch einmal einen riesen Grund zum Feiern: Tobias Kube wurde von der DDG als bester Nachwuchsredner ausgezeichnet und konnte nach Jan Kastell 2006 nun schon zum zweiten Mal den begehrten Wanderpokal an die Lahn holen, womit wir nun Spitzenreiter beim Gewinnen dieses Pokals sind.

 

Comments are closed.