Zum ersten Mal nach sehr, sehr langer Zeit, fand hier in Marburg am 26./27.05.2012 ein Debattierturnier statt, zu dem Clubs bei strahlendem Sonnenschein von nah und fern Teams aussandten, um voller Eifer um den Sieg des ersten Brüder Grimm Cups zu streiten. Im BPS-Format sollten 28 Teams antreten
und nach vier Vorrunden am Samstag sollte am Sonntag ein Halbfinale und letztlich das Finale mit geladener Ehrenjury vor Publikum über die Gewinner dieses Turniers entscheiden.
Nach wochenlanger Vorbereitung war es dann also am Freitag endlich soweit: die Teilnehmer, die von Berlin über Jena und Mainz bis Stuttgart von überallher kamen, erreichten Marburg am späten Nachmittag und wurden sogleich mit offenen Armen empfangen. Der Zufall wollte es, dass zur gleichen Zeit bei einem unserer Marburger Debattierer eine WG-Party stattfand und sich so die Gelegenheit bot, alle schon angereisten Teams unter einem Dach zu versammeln und die erste Möglichkeit des Austauschs zu schaffen. Später noch am Abend wurde man das
erste mal dem Motto des Turniers gerecht: es ging zu einer nächtlichen Wanderung auf dem Marburger Grimm-dich-Pfad, einem Weg durch die historische Oberstadt hinauf zum Landgrafenschloss entlang von Märchenstationen, bei denen unsere Teilnehmer sogleich ihre Wortgewandtheit und Märchenkenntnis anhand von diversen Stehgreifreden unter Beweis stellen mussten. Natürlich gab es auch den einen oder anderen Preis zu gewinnen…
Nach einem äußerst spaßigen Abend und einer je nach Geschmack etwas längeren oder
kürzeren Nacht fanden sich alle Teilnehmer am Samstagmorgen im Carolinenhaus bei der Elisabethkirche ein, um das Turnier nun wirklich beginnen zu lassen. Für Frühstück und den für viele unverzichtbaren Kaffee war reichlich gesorgt, und so konnte nach einer Stärkung und einigen Begrüßungsworten der Startschuss für die erste Vorrunde fallen, deren Thema aus gegebenem Anlass lautete „Dieses Haus würde Fußballvereine die Kosten der polizeilichen Sicherheitsmaßnahmen für die Spiele ihrer Liga selbst tragen lassen.“ Gleich im Anschluss ging es in die zweite Runde, wobei das Thema in dieser Runde war: „Dieses Haus würde den UN-Sicherheitsrat solange boykottieren, wie das Veto-Recht existiert“.
Zur Mittagszeit zog es alle mit Brötchen und Getränken nach draußen in den Innenhof, um die Sonne zu genießen und sich auf der Treppe oder dem Rasen ein wenig zu entspannen. Dank einem Kuchenwettbewerb konnten auch alle Schleckermäuler ihren Zuckerbedarf stillen und sich auf die bald beginnende dritte Vorrunde einstimmen.
Das Thema der dritten Runde wurde passend zum Turnier und zu
den Raumnamen wie Waldschlösschen, Feengarten oder Lebkuchenhaus gewählt: „Dieses Haus würde die Grimmschen Märchen Gender-gerecht umschreiben.“ Nach einigen sehr kreativen Ideen für die Märchen der nächsten Generation ging es schlussendlich in die letzte der vier Vorrunden, traditionell eine geschlossene Runde ohne Feedback und Rangverkündung. In dieser letzten Runde wurde debattiert, ob „Anwärter für den Beamtenstatus verpflichtet werden sollten, sich während ihrer Probezeit psychologisch evaluieren zu lassen, anstatt, wie es im Status quo der Fall ist, ihre psychologische Krankengeschichte offenlegen zu müssen.“
Nach dieser Runde waren alle wieder sehr hungrig, leider musste auf das Essen noch ein wenig gewartet werden, was der Stimmung im Allgemeinen jedoch nicht abträglich war. Zwar erwies sich die Tomatensoße im Endeffekt als schärfer als erwartet (die Köche
hatten es mit dem Chili ein wenig zu gut gemeint), doch so konnte wenigstens das überschüssige Brot vom Tage an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht werden.
Für den Abend war geplant, in den Nachtsalon, einen kleinen Lounge-Club in der Nähe des Marburger Bahnhofs, zu gehen und dort den Tag mit Musik und Tanz abzurunden. Wir hatten das Glück, dass wir schon eher kommen konnten und keinerlei Kosten zu tragen hatten. Daher wurde der Break gleich an Ort und Stelle vor der Party verkündet: ins Halbfinale schafften es „Die Achse des Guten“, die beeindruckenderweise alle vier Vorrunden gewinnen konnten, drei Berliner Teams (BDU E, C und B), die Teams „Potsdam Sterne“, „Karlsruhe It’s Raining Men“ und sowohl „Mainz Anton“ als auch „Mainz Berti“. So konnte nach dem Break gleich alle Freude ausgiebig zu 90er Jahre Musik gefeiert und die Nacht zum Tag gemacht werden.
Nichtsdestotrotz ging es am Sonntag in aller Frühe weiter, musste doch das Halbfinale vor dem um 13 Uhr angesetzten Finale abgehandelt und entschieden sein. Somit ging es um etwa halb zehn in die Vorbereitungszeit zu dem Thema: „Dieses Haus glaubt, Angeklagte sollten bei ihrer Gerichtsverhandlung zwischen einer Jury und einem Richter wählen können.“ Die beiden Halbfinals konnten letztlich „Die Achse des Guten“ (Jonathan Scholbach und Jonas Werner), die BDU E (Matthias Winkelmann und Alex Hans)
, Karlsruhe It’s Raining Men (Leo Vogel und Johannes Grygier) und Mainz Bertie (Marina Freund und Max Fritz) für sich entscheiden und zogen damit ins Finale ein. Nach einem üppigen Mittagessen mit Döner und restlichen Brötchen konnte pünktlich das Finale gestartet werden. Dieses Finale zum Thema „Dieses Haus würde Ärzten erlauben lebensbedrohlich erkrankten Patienten noch im experimentellen Stadium befindliche Behandlungsmethoden anzubieten.“ wurde juriert von den Chefjuroren Andrea Gau, Florian Umscheid und Ruben Brandhofer sowie Philip Schröder und Stefan Kegel.
Sieger dieser sehr schönen und emotionalen Finaldebatte wurden Jonathan und Jonas, wobei Jonas zusätzlich von der Ehrenjury, bestehend aus dem Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel, Prof. Dr. Uwe Wagner und Thorben Schubert vom AStA Marburg, zum besten Redner des Finales gekürt wurde. Als Preis erhielt das Mixteam aus
Jena und Berlin eine vollständige und illustrierte Ausgabe der Grimmschen Märchen. Wer weiß, vielleicht können sie daraus einen Nutzen für den nächsten Brüder Grimm Cup ziehen…
Dass neben Chefjuror Ruben auch Philip das Finale jurierte, schmückt noch einmal unsere sehr erfolgreiche Juriersaison: Bei jedem FDL-Turnier mit Beteiligung eines Marburger Jurors (7 Turniere) stand am Ende mindestens ein Marburger Juror (Ruben, Philip, Frank, Tobi) im Finale. Wir scheinen uns also so langsam zu einer Jurier-Hochburg zu entwickeln!
Somit endete das Marburger Turnier am noch immer sonnigen Sonntagnachmittag. Wir hoffen, allen Teilnehmern ein schönes Wochenende beschert zu haben und freuen uns sehr, euch bald wieder im schönen Marburg an der Lahn begrüßen zu dürfen!
Verfasst von Sabrina Göpel