Über Massenmord, Erektionsstörungen und die Wampe – Die Professorendebatte 2013

Anne Suffel eröffnet die Debatte (c) Jöran Beel

Während sich die ersten Leute ins warme Wohnzimmer zurückzogen, ihre Vorratsration Kekse und Schokoriegel aus dem Küchenregal kramten, um es sich bei einem Film auf dem kuscheligen Sofa gemütlich zu machen, versammelten sich zur gleichen Zeit viele aktivere Marburger beim diesjährigen Professoren-Duell. Bereits zum siebten Mal fand das Duell zwischen drei Professoren der Philipps-Universität und drei Studierenden des Brüder Grimm Debattierclubs Marburg statt. Hell und atmosphärisch erleuchtet, zog der historische Saal im Rathaus auch dieses Jahr wieder zahlreiche Besucher an. Der Raum war bis auf den letzten Stehplatz gefüllt.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung wurde das Publikum aktiv mit einbezogen: Es durfte aus zwei Vorschlägen das Thema der Debatte wählen. Die Wahl schien nicht sehr schwer zu fallen: Es sollte den behaglicheren Gemütern, die auch an diesem Abend faul zuhause geblieben waren, zu mehr Aktivität verholfen werden. „Weg mit der Wampe!‟ hieß es daher, „Soll der Hochschulsport verpflichtend werden?‟

Ein eingespieltes Team: Tobias Kube (l.) und Ruben Brandhofer (r.) (c) Jöran Beel

Anne Suffel, Eröffnungsrednerin des studentischen Teams, das die Position der Regierung vertritt, beleuchtet zunächst die Vorteile des Sportes. „Wollt ihr mit 60 lieber rüstig an der Lahn entlang joggen oder mit Herzinfakt im Krankenhaus liegen?‟ fragt sie die Besucher und man ist sich einig: Da joggt man lieber. Außerdem dürfte auch das Liebesleben nicht vernachlässigt werden, denn “schon eine halbe Stunde Sport am Tag hilft, um Erektionsstörungen um 40% zu reduzieren”, führt sie weiter aus.

„Knochenbruch, Tennisarm, verlorene Zähne – sind Sie noch bei Trost?‟ wütet daraufhin Professor Mario Gollwitzer. „Fast zwei drittel aller Unfälle passieren beim Sport!‟. Außerdem erinnert er an Schüler, die im Sportunterricht immer zuletzt gewählt wurden. Das gleiche, so beteuert er, käme nun auf Studierende zu:.„Depression, soziale Phobie, Gedankenflucht!‟

Zwischenfrage von Prof. Mario Gollwitzer (c) Jöran Beel

„Sie gehen das falsch an‟ kontert daraufhin Ruben Brandhofer für das studentische Team. „Wenn die Leute fitter werden, passieren auch weniger Unfälle beim Sport‟. Da ist dann von Neid die Rede, den man früher als behütetes Kind gegenüber dem Rabauken mit gebrochenem Arm empfunden habe, und von dem Abenteuer, das man gelegentlich einzugehen habe. Manchmal, so Ruben, lohne sich ein gewisses Risiko.

„Sport ist Mord‟ schießt Professor Uwe Wagner im Namen der Opposition zurück „und Breitensport ist Massenmord!‟ Wie die Regierung sich das vorstelle, möchte er außerdem wissen und malt sich ein Bild aus von 25.000 Studierenden, die jeden Tag in frühen Morgenstunden gemeinschaftlich an der Lahn traben. Zudem verweist er abermals auf die Gefahren des Sportes und mahnt „Man muss davon ausgehen, dass Sie als Studenten Krankheiten kennen lernen werden, dramatische, von denen Sie noch nie zuvor gehört haben: Joggerhoden, Fußpilz und Ähnliches!‟

Prof. Uwe Wagner über Breitensport und Massenmord (c) Jöran Beel

Es dürfe doch aber nicht vergessen werden, entgegnet Tobias Kube als Schlussredner des studentischen Teams, “dass viele Studierende schon jetzt die Vorzüge des Sportes erkannt haben, aber keinen Platz bekommen, weil das Angebot zu klein ist”. Doch wenn Hochschulsport verpflichtend würde, führt er weiter aus, müsse die Uni diesem Druck nachgeben und Sportmöglichkeiten für alle bereitstellen. In unserer “Leistungsgesellschaft, die erwartet, dass wir immer mehr lernen in immer weniger Zeit” sei der Hochschulsport zudem ein wichtiger Gegenpol zu dem Konkurrenzdruck, der in vielen Studienfächern herrsche und zu “dramatischen Szenen” unter den Studierenden beim Kampf um die raren Masterplatz führe. So würden mitunter gar “Bücher aus den Bibliotheken versteckt und gehortet” werden. Beim Sport hingegen könne man “ganz ohne Noten- und Leistungsdruck Bekanntschaften schließen, die über den eigenen Fachbereich hinausgehen”, betont Tobias abschließend.

Die Siegertorte vom Cafè Vetter

„Sie sehen uns betroffen‟, macht abschließend Professor Joachim Hoyer deutlich. „Uns war nicht klar, dass Erektionsstörungen heutzutage ein so großes Problem darstellen‟, erklärt er und schaut besorgt in die Runde. In seiner Generation, erinnert er sich zurück, sei so etwas kein Thema gewesen. Es habe sich wohl Einiges verändert, stellt Hoyer fest. Denn auch verstehe er nicht, warum man eigentlich erst Sport machen müsse, um eine Party genießen zu können und macht deshalb einen anderen Vorschlag: „Bessere Mensa, mehr Freizeit, Party gleich!‟

Mit diesen unterhaltsamen und charmanten Ausführungen konnten die Professoren die Zuschauer endgültig auf ihre Seite ziehen und gewannen so die siebte Marburger Professorendebatte. Dieser Gewinn wurde – traditionsgemäß – beim anschließenden Sektempfang und Teilen der Siegertorte gefeiert.

Text: Carolin Wedler/ tk

Debatten in der Oberhessischen Presse

Für die Oberhessische Presse (OP) debattieren wir im Sommersemester nun jede Woche ein aktuelles Thema. Das Thema stellt die OP und nach Positionsauslosung sowie einer 10-minütigen Vorbereitungszeit haben zwei Leute jeweils 3 mal 30 Sekunden Redezeit. Die OP nimmt die Debatte auf und druckt sie ab. Einen Einführungsartikel zu der Debattenreihe findet ihr im Universum. In der ersten Woche traten Anne Suffel und Tobias Kube gegeneinander an und erörterten die Frage, ob es nach den Siegen der deutschen gegen die spanischen Mannschaften in der Champions League nun einen Machtwechsel im europäischen Fußball gibt. Hier könnt ihr abstimmen, wer die Debatte für sich entschieden hat!

Text: Tobias Kube

“Soll die Bundesgartenschau in Marburg stattfinden?” – Showdebatte beim Neujahrsempfang der Stadt Marburg

Soll die Bundesgartenschau in Marburg stattfinden? Über diese Frage stritten Sabrina Göpel und Tobias Kube in einer kleinen Showdebatte beim traditionellen Neujahrsempfang der Stadt Marburg am 19.01. 2013. Über 800 Gäste waren der Einladung von Oberbürgermeister Egon Vaupel in die Stadthalle gefolgt, darunter Uni-Präsidentin Katharina Krause und viele wichtige Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Vereinen. Oberbürgermeister Egon Vaupel, der schon an vielen Veranstaltungen des Marburger Debattierclubs teilgenommen hat und die Bundesgartenschau (BUGA) für die zweite Hälfte der 2020er Jahre nach Marburg holen möchte, wünschte sich für den diesjährigen Neujahrsempfang eine kurze Showdebatte des Debattierclubs, in der Vor- und Nachteile einer BUGA in Marburg abgewogen werden sollten.

Foto: Nadine Weigel, Oberhessische Presse

Zunächst zeigte sich Sabrina Göpel, Vizepräsidentin des Brüder Grimm Debattierclubs Marburg, skeptisch gegenüber einer BUGA in Marburg und äußerte Bedenken hinsichtlich der hohen Kosten eines solchen Events, möglicher Einschränkungen für die Bürgerinnen und Bürger Marburg und des Mehrwerts eines solchen Vorhabens für die Stadt.

Tobias Kube, Präsident des Brüder Grimm Debattierclubs Marburg, argumentierte, dass eine BUGA – richtig angegangen – nicht nur eine Blumenschau sei, sondern grundlegende Fragen der Stadt- und Landschaftsplanung thematisiere. Er wies auf das wirtschaftliche Potential einer BUGA in Marburg hin, insbesondere vor dem Hintergrund, dass 2027 – dem angestrebten Jahr der Ausrichtung – die Philipps-Universität Marburg ihr 500-jähriges Jubiläum feiert und sich diese zwei Großereignisse wunderbar kombinieren ließen. Außerdem stelle die BUGA eine hervorragende Möglichkeit dar, wichtige Stadtentwicklungsziele zu erreichen, vor allem den Umbau der stadtbildprägenden Stadtautobahn.

Foto: Nadine Weigel, Oberhessische Presse

Sabrina und Tobias ernteten großen Beifall in der bis auf den letzten Sitz gefüllten Stadthalle und konnten anschließend einige anregende Gespräche mit den interessierten Gästen führen. Insgesamt war es also ein toller Auftritt für den Verein, der Oberbürgermeister Egon Vaupel sehr dankbar für diesen “öffentlichen Ritterschlag” ist und sich gefreut hat, einen Beitrag für den traditionsreichen Neujahrsempfang leisten zu können.#

Text: Tobias Kube

Die Professorendebatte 2012

„Regeln sind da, um gebrochen zu werden“ – Die Siegesserie der Professoren reißt beim Rede-Duell mit den Studierenden

Der Saal war gefüllt, die Stimmung erhitzt, für Lacher gesorgt und die Besucher begeistert.

Bereits zum sechsten Mal fand am Mittwoch, den 21.11. 2012, im Marburger Rathaus das Professoren-Duell des Marburger Debattierclubs statt. Hierbei traten  drei Professoren der Philipps-Universität Marburg gegen drei Mitglieder unseres Debattierclubs an. Beide Teams versuchten, in einem vom Publikum gewählten Thema ihre Position wortgewandt zu vertreten und die Gegenseite mit wirkungsvollen Argumenten auszustechen.

Auch dieses Jahr erfreute dieser Wettstreit sich wieder großer Beliebtheit, sodass sich am Abend bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung etliche Zuschauer in dem traditionsreichen historischen Rathaussaal eingefunden hatten, welcher freundlicherweise wieder vom Oberbürgermeister Egon Vaupel als  Schirmherr der Veranstaltung zur Verfügung gestellt wurde. Ganz besonders freuten wir uns, dass fünf Leute aus dem Mainzer Debattierclub, mit dem wir eine enge Clubfreundschaft pflegen, unsere Gäste und Zuschauer waren.

Josianne Kollmann und Benedikt Kunz begrüßten als Moderatoren alle Anwesenden und führten charmant durch den Abend. Zunächst wurden dem Publikum durch die Moderatoren zwei Themenvorschläge präsentiert und das Publikum wählte schließlich die Frage: “Regeln sind da, um gebrochen zu werden – Soll man bei Rot über die Ampel gehen, wenn es niemand mitbekommt?” zum Thema des Abends. Nachdem die Moderatoren während der Vorbereitungszeit der Teams eine kurze Regeleinführung gaben und einen Film über “Do’s” und “Dont’s” beim Debattieren zeigten, wurden dann mit  tosendem Applaus die Teilnehmer des Wettbewerbs wieder in den Saal geführt und vorgestellt. Für das Team der Professoren traten Prof. Claudia Derichs (Fachbereich Politikwissenschaft), Prof. Matthias Berking (Fachbereich Psychologie) und Prof. Axel Pagenstecher (Fachbereich Medizin) an. Für das studentische Team stiegen Sabrina Göpel (Psychologie, 3. Semester) Sven De Causmaecker, der sein Chemiestudium bereits abgeschlossen hat, und Tobias Kube (Psychologie, 5. Semester) in den Ring.

In der folgenden Debatte über Selbstbestimmung, die Verantwortung in der Gesellschaft, den Stellenwert von Regeln und Gesetzten sowie lauernden Gefahren kämpfte jeder Teilnehmer mit seinen ganz eigenen Waffen. Während Sabrina direkt die Fakten auf den Tisch brachte, Sven – unterbrochen durch gelegentliche Zweikämpfe mit Prof. Berking um das Mikrofon – auf die tatsächlich vorhandene Selbsteinschätzung bezüglich vieler alltäglicher Situationen verwies und Tobias das bereits Gesagte überzeugend zusammen fasste, setzte das Team der Professoren auf andere Strategien. Prof. Berking überzeugte mit Witz und einem herzzerreißenden Beispielfall, Prof. Pagenstecher brachte zunächst seine tiefe Enttäuschung über die Argumente der Gegenseite zum Ausdruck und Prof. Derichs forderte auf, auch mal über den Tellerrand zu schauen.

Schließlich wurde das Duell in Form von nicht enden wollendem Applaus für beide Seiten als unentschieden gewertet, nachdem vier der letzten fünf Debatten der vorangegangenen Jahre die Professoren für sich hatten entscheiden können. Gefeiert wurde der beidseitige Sieg im Anschluss durch brüderliches Teilen der vom Café Vetter gesponserten Siegertorte,  während der Abend mit einem Sektempfang angemessen ausklang.

Text: Carolin Wedler/ tku

Über Gutes für Frauen, lüsterne Triebe und warum die Professoren die Torte bekamen

DUELL 2011 Professoren vs. Studenten

Da haben wir doch den wahren Grund für Ihr Anliegen – Sie möchten ja nur leichter Ihren lüsternen Trieben nachgehen können. Und das in der Universität!

Anschuldigungen dieser Art gehören keineswegs zum normalen Universitätsalltag – wohl aber zu einer unterhaltsamen Showdebatte, wie sie am Donnerstag, 24. November 2011, bereits zum fünften Mal vom Debattierclub veranstaltet wurde. Im historischen Rathaussaal haben sich drei Studenten dem verbalen Kampf gestellt und gegen drei Professoren aus den Fachbereichen Chemie, Medizin und Psychologie debattiert.

Plakat des DUELLs 2011Hannah Soeffing und Clubpräsident Tobias Kube leiteten charmant durch den Abend und präsentierten die zwei möglichen Debattierthemen. Das Publikum entschied sich letztlich per Applaus für das Thema „Soll eine Geschlechterquote für Studiengänge eingeführt werden?“ und gegen die Forderung „Der Unipräsident sollte ein Studierender sein!“

Dieses Jahr wurde der Gewinner des letztjährigen Duells, Prof. Dr. von Zezschwitz (Chemie), unterstützt durch den Psychologieprofessor Dr. Berking und dem Neuropathologen Prof. Dr. Pagenstecher. Jeweils sieben Minuten hatten sie zur Verfügung, um inhaltlich möglichst überzeugend und rhetorisch versiert zum Thema Geschlechterquote für zu reden. Den Club vertreten haben Martin Fries, Benedikt Kunz und Dominik Vietz, die große Mühe hatten, dieses Anliegen der Geschlechterquote zu verteidigen – die Professoren hielten gekonnt dagegen.

Von der Notwendigkeit, Frauen exzellente Leistungen zuzutrauen, um sie zu ermutigen, auch naturwissenschaftliche Studiengänge auszuwählen, bis hin zur positiven Wandlung der Atmosphäre im Wissenschaftsbetrieb reichte die Argumentpalette der Studenten. Doch umsonst – die Professoren zogen alle Register und überzeugten durch Witz, Charme und prägnanter Wortwahl.

Von den 200 Zuschauern zum Siegerteam erkoren, durften sie sich über die Gewinnertorte freuen, die von Café Vetter gespendet und mit allen Anwesenden beim anschließenden Sektempfang geteilt wurde – sie war dann doch zu groß, um zu dritt gegessen zu werden. Dabei wurde an mancher Stelle noch fleißig weiter diskutiert oder einfach das Ambiente genossen.

„Der Abend war wieder ein voller Erfolg“, war der Grundtenor unter den Organisatoren. Der Debattierclub Marburg bedankt sich herzlich bei Oberbürgermeister Herrn Vaupel als Schirmherr der Veranstaltung, der Universitätsstadt Marburg für die beeindruckende Lokalität, sowie Café Vetter,  MLP und Die ZEIT, die den Abend so in dieser Form überhaupt ermöglicht haben.

Noch schöner als nur eine Showabend im Wintersemester wäre natürlich, wenn einige der Besucher auch Lust bekommen haben und auch einmal montags Abend selbst das Wort ergreifen würden. „Bei uns ist jeder willkommen – wir freuen uns sehr über Zuwachs!“, lud Tobias Kube ein.

Filmaufnahmen werden folgen.
Auf den Photographien liegt ein Copyright! Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Clubs.

Text: Hannah Soeffing und Martin Fries